… schön öffentlich via social Media? Ich kann mich damit einfach nicht anfreunden. Tut mir aufrichtig Leid – nein, ehrlich gesagt, tut es mir gar nicht leid. Hier ist nicht die Rede von irgendwelchen Promis, die auf anderem Wege nicht erreichbar sind. Hier ist vielmehr die Rede von den Menschen, denen wir im alltäglichen Leben begegnen.

Wir haben in den letzten 1,5 Jahren Abschied von vier Personen genommen. Jeder einzelne Abschied war schwer. Sehr schwer. Dabei ist es egal, ob es eine Urnenbeisetzung, eine traditionelle Beerdigung, eine Abschiedsveranstaltung für Freunde und Familie oder gar ein Abschiedsgottesdienst ist. Jeder Gang fiel uns nicht leicht. Doch eines muss ich sagen. NICHT ein einziges Mal kam es für uns in Frage, Beileidsbekundungen und Anteilnahme über das Internet zu kommunizieren.

Ja ich bin spießig und ganz ehrlich: Ich bin es mit Überzeugung. In diesem Fall zumindest. Wir haben zu jeder Nachricht, die uns ereilte eine Kondolenzkarte geschrieben. Ja. Eine Karte. So ein Ding aus festem Papier. Zum Aufklappen. Gibt es vor Ort zu kaufen. Kostet auch nicht viel. Nur die MÜHE, sich aus dem Haus zu bewegen, eine Karte auszusuchen, diese zu bezahlen und nun kommen wir zu der größten Aufgabe: Man muss da auch noch etwas reinschreiben. Ohje. Ups ich hatte es fast vergessen. Diese Karte muss ja auch noch an das Trauerhaus geschickt werden. Also noch einmal aus dem Haus.

Hey, bricht man sich denn wirklich heutzutage einen Zacken aus der Krone, den Hinterbliebenen eine Karte zukommen zu lassen?

NEIN! Hat schon mal jemand, der via Facebook in die Chronik eines gerade verstorbenen seine Beileidsbekundung geschrieben hat, an die Hinterbliebenen gedacht? Sie haben ein schweres Los: sie müssen mit dem Verlust leben! Für alle anderen kehrt früher oder später der Alltag wieder ein. Für die Hinterbliebenen allerdings hat sich eine Lücke aufgetan und sie wird sich nicht mehr schließen. Ist es da nicht tröstend, zu beGREIFEN, dass dieser Mensch, den sie schmerzlich vermissen, umgeben war von jenen, die sich nun via Kondolenzkarte kenntlich zeigen?

Papier ist beständig. Es ist noch da, wenn bereits alles verhallt und verklungen ist. Es kommt durchaus vor, dass die Hinterbliebenen immer wieder zu den Karten greifen um sich zu trösten. Wenn sich diese schmerzliche Leere breit macht, bleibt einem oft nichts anderes als das geschriebene Wort. Das geschriebene Wort derer, die ebenfalls traurig sind über den Verlust. Das geschriebene Wort, welches sie in ihren Schubladen wiederfinden. Nicht am PC. So eine Karte bedeutet Halt. Den Hinterbliebenen Halt geben, Trost spenden – auch in den Momenten, in denen man nicht persönlich für sie da sein kann.

Wem nichts oder auch gar nichts einfällt, was in diese Karte geschrieben werden könnte – für denjenigen habe ich eine gute Nachricht: GOOGLE mal!

 

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